Auf ein Wort:

Liebe Gemeinde,
Was macht eigentlich der liebe Gott in den Sommerferien? Genügt es ihm wohl mal zwischendurch, wenn es die Zeit erlaubt ein bisschen an den Strand zu gehen oder in einer Eisdiele mit Freunden zu sitzen und ein Eis-Wettessen zu veranstalten? Oder macht er richtig Urlaub – also mindestens zwei Wochen raus aus allem. Und da sein Sohn ja nicht mehr schulpflichtig ist, kann er doch prima in der Nebensaison verreisen. Das heißt dann wohl, dass er in den Sommerferien durcharbeitet. Freilich ist dieses Bild von Gott im Sommer als scherzhaft zu verstehen, aber nicht nur. Die Frage dahinter ist ernsthaft, wie ich mir nämlich Gott vorstelle und wie beziehungsweise ob ich ihm begegnen kann.
Wie kann ich mir Gott vorstellen?
Darüber haben die Menschen immer schon nachgedacht. Sie haben sich gefragt, woher die Welt und sie selbst kommen und wer ihr Leben bestimmt. In vielen Kulturen stellte und stellt man sich vor, dass es viele Götter gibt, von denen jeder eine bestimmte Aufgabe hat. Im Laufe der Zeit haben sich weltweit solche Religionen durchgesetzt, die glauben, dass es nur einen Gott gibt und das Christentum ist eine von ihnen. Haben die Philosophen versucht durch Gedankenschärfe das Wesen Gottes zu erfassen, bemühen sich die Religionen in ein lebendiges Verhältnis zu Gott zu treten. Und ich darf Ihnen sagen, dass mir ein Gott, zu dem ich nicht in einem persönlichen Verhältnis stehe, ziemlich gleichgültig wäre. Als Christen glauben wir, dass uns Jesus Christus allein das Wesen Gottes zu erkennen gegeben hat. Mich hat das am Christentum immer überzeugt, dass es nicht darum geht in Spekulationen über Dinge, die wir nicht verstehen können, weil sie unsere Erfahrung übersteigen, wie zum Beispiel die Ewigkeit, Gott bloß als ein „Prinzip„ zur Kenntnis zu nehmen, sondern dass uns Jesus Christus einen Weg erschließt uns Gott vertrauensvoll zu nähern, so wie Kindern vertrauensselig auf ihre Eltern zugehen. Und in Jesus Christus ist Gott ja selbst unter den Menschen, hat mit ihnen gegessen und gearbeitet und so gezeigt, dass Gott Teil unseres Lebens im Alltag ist und sein will. Da wo sich Menschen in Offenheit, in Freude und Trauer begegnen, können sie das Wesen Gottes erfahren. Und darum ist es uns erlaubt uns Gott mit einem Augenzwinkern in einer Eisdiele vorzustellen, wie er Pause macht von seinem Alltagsgeschäft. Uns allen wünsche ich einen ereignisreichen Sommer, in dem wir Pause machen können und viele lebendige Begegnungen mit Gott am Strand, in den Bergen oder – wenn es denn sein muss - auch im Büro.
Andreas Meyer-Träger


(C) 2005 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken